Selbst richtig Stehen will gelernt sein

Yoga in seiner ursprünglichen Form ist mehr als die paar Übungen, die hierzulande bekannt sind. Yoga bedeutet vor allem die Verbindung von Körper und Geist. Diese Wirkung soll erreicht werden durch bestimmte Übungen. Das wiederholte Praktizieren dieser Asanas führt letztlich zu dem gewünschten Ergebnis, der Verbindung von Körper und Geist. Jede Form der Übungen ist dabei auf ein besonderes Ziel ausgerichtet und soll sehr korrekt ausgeführt werden. Eine Grundvoraussetzung für alle im Stehen auszuführenden Übungen ist Tadasana, die Stehhaltung. Richtig Stehen muss erst erlernt werden.

Die Füße sollten geschlossen oder hüftbreit geöffnet sein. Alle Zehen stehen, wie kleine Saugnäpfe, fest auf dem Boden. In einigen Traditionen, wie dem Iyengar-Yoga, heißt es, die großen Zehen und auch die Fersen sollen sich berühren. In anderen, wie dem Power-Yoga, lehrt man, dass sich die Fersen leicht geöffnet, in einer Linie mit den mittleren Zehen befinden, sodass die Fußaußenkanten parallel zueinander stehen.

Das Körpergewicht ist auf den Ballen, Fußaußenkanten sowie Fersen gleichmäßig zu verteilen, Fußgewölbe aktiviert. Die Knie sollen gestreckt, jedoch, im Power-Yoga, nicht durch-, im Iyengar-Yoga gerade durchgedrückt sein. Hier sollen zusätzlich die Kniescheiben hochgezogen werden. Um einen noch aufrechteren Stand zu erzielen, werden die Bauch- und Beckenbodenmuskeln angespannt. Diese, im Pilates als Powerhouse bekannte Technik, nennt man im Yoga „die Bandhas setzen“.
Bandha bedeutet fesseln, zusammenfügen, binden oder halten. Sie ermöglichen das Zusammenziehen und Beherrschen bestimmter Organe oder Teile des Körpers. Um ein Hohlkreuz zu vermeiden, wird das Becken leicht aufgerichtet. Die Schultern nach hinten unten, das Kinn leicht Richtung Hals geführt. Man kann sich vorstellen, mit den Schulterblättern einen Stift festzuhalten und von einem unsichtbaren Faden am Hinterkopf, sanft in die Länge gezogen zu werden.

Wer so Stehen gelernt hat, kann das Üben aller weiteren Steh-Haltungen – wie zum Beispiel die Kriegerpositionen - in Angriff nehmen.
Kriegerpositionen sind die geläufigsten Stehhaltungen im Hatha-Yoga. Der Legende nach wurde der Krieger Virabhadra von dem indischen Gott Shiva aus einer seiner Haarlocken erschaffen. Es mag zunächst seltsam erscheinen, eine Yoga-Übung nach einem Krieger zu benennen. Denn Gewalt, Krieg, Kampf wird im Allgemeinen nicht assoziiert mit Yoga. Was bei diesen Asanas jedoch eher gemeint ist, bezieht sich auf den geistigen Krieg mit sich selbst. Den inneren, spirituellen Kampf.

Der erste Krieger, Virabhadrasana I, ist eine sehr kraftvolle Asana. Sie stärkt insbesondere die Oberschenkelmuskulatur. Krieger II öffnet und dehnt die Hüfte. Virabhadrasana III ist eine Balanceübung im Einbeinstand. Es heißt, wer im Yoga gut auf einem Bein stehen kann, bewältigt den Alltag auf drei Beinen. Oft werden alle drei Krieger nacheinander geübt. Dies ermöglicht einen sogenannten Flow in der Yogapraxis – das fließende Bewegen, das Ineinandergleiten der einzelnen Übungen.
Es gibt noch viele weitere Stehhaltungen im Hatha-Yoga, mit mannigfaltigen Wirkungen auf Körper, Geist und Seele. Nachfolgend soll es jedoch ausführlich um die Kriegerpositionen gehen.

Krieger I – Virabhadrasana I


Wirkungen auf körperlicher Ebene:
Der erste Krieger ist, wie alle anderen Kriegerpositionen auch, eine sehr herausfordernde Übung. Sie kann nicht wie andere, sanftere Asanas, allzu lange gehalten werden. Übt man sie regelmäßig, wird die Kraftausdauer jedoch verbessert. Die Oberschenkel- und Pomuskulatur sowie die Schultern und Knöchel werden gekräftigt. Die Hüftbeugemuskeln sowie Brust- und Bauchmuskulatur werden gedehnt. Die Wirbelsäule wird gestreckt.

Wirkungen auf geistiger und energetischer Ebene:
Das Üben von Virabhadrasana I hilft, sich zu erden. Diese Haltung fördert das Selbstbewusstsein, die innere Kraft und Willensstärke. Das Durchhaltevermögen wird verbessert. Sie kann dazu beitragen, über sich selbst hinaus zu wachsen und sich in schwierigen Situationen zu überwinden. Der erste Krieger wirkt zudem harmonisierend und stärkt das innere Heldentum.

Krieger II – Virabhadrasana II


Wirkungen auf körperlicher Ebene:
Wie bei Krieger I. Zudem wird die Hüfte geöffnet und die Oberschenkelinnenseiten werden gedehnt.
Durch die weit zu den Seiten geöffneten Arme, wird der Brustkorb geweitet und eine tiefe Brustatmung gefördert. Die sanfte Rotation des Oberkörpers wirkt sich positiv auf die Verdauung aus.

Wirkungen auf geistiger und energetischer Ebene:
Wie bei Krieger I. Noch stärkere Harmonisierung und Erdung durch die tiefe Brustatmung.

Krieger III – Virabhadrasana III


Wirkungen auf körperlicher Ebene:
Der dritte Krieger begünstigt insbesondere die Balance und Koordination. Außerdem wird die gesamte Körperrückseite gekräftigt, wie Rücken, Schultern, Beine, Po und Waden. Auch die Knöchel und die Fußmuskulatur werden gestärkt.

Wirkungen auf geistiger und energetischer Ebene:
Nur wer es schafft, den Ehrgeiz hinter sich zu lassen, in dieser koordinativ sehr anspruchsvollen Asana nicht umzufallen, wird es schaffen, ruhig stehen zu bleiben.
Sie erfordert einen ruhigen Geist und wirkt wiederum beruhigend auf ihn und das gesamte Nervensystem. Regelmäßiges Üben kann helfen, Ängste zu reduzieren und an Stärke, Stabilität, Konzentration und Balance zu gewinnen.
Außerdem hilft Virabhadrasana III schwierigen Lebensphasen mit Kraft, Stärke und der nötigen Ruhe zu begegnen.

Foto: Mladen Mitrinovic, Shutterstock

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